...TITEL DES LAYS...
Ich kämpfe auch dafür, dass meine sechsjährige Schwester nicht zwangsverheiratet wird!

Ein couragierter Richter bringt die gerade einmal 8-jährige Jemenitin Nujud Nasr (Foto unten) in Sicherheit. Sie wehrte sich gegen die Zwangsheirat, indem sie die Scheidung von ihrem 30-jährigen Ehemann verlangt. Schon unter normalen Umständen sind 22 Jahre Altersunterschied sehr ungewöhnlich. Noch viel ungewöhnlicher, pervers, wird es, wenn man bedenkt, dann seine Frau erst 8 Jahre alt ist. Momentan befindet sich Nujud in einem Waisenhaus in Sanaa. Dorthin brachte sie der couragierte Richter Mohammed Kathi, der die Lebensgefahr, in der das tapfere Mädchen noch immer schwebt, sofort erkannte. Denn eine Frau, die erklärt, sich von ihrem Mann scheiden zu lassen, beschmutzt  in Jemen die Familienehre. Als sie Anfang April erklärte, dass sie sich scheiden lassen wolle, drohten ihr Vater und Ehemann mit dem Tod.

Doch die kleine Nujud hatte keine andere Wahl als die Anklage, um ihren nicht selbst gewählten Ehemann los zu werden. Sie war mit ihm zweieinhalb Monate zuvor unter Zwang durch massive Drohungen verheiratet worden. Ihr Vater arrangierte die Ehe aus Geldmangel, da er sich, nachdem er seinen Job als Abfuhrmann (ich schätze, dass man damit einen Müllmann meint) verloren hatte, als Bettler durchschlug.

Doch damit nicht genug. Nicht nur, dass Nujuds Ehemann fast dreimal älter ist als sie, er findet weder die Heirat mit einem Kind noch Prügelstrafe oder sexuelle Nötigung der Ehefrau unnormal. Tamer (der Ehemann) teilte Nujuds Anwältin Shahta Ali mit, dass Nujud kein Recht habe, sich zu beklagen.

Und seine Tradition scheint ihm Recht zu geben und sein Handeln zu legitimieren. Jemen gilt heute als das traditionellste arabische Land. Die Zwangsverheiratung minderjähriger Mädchen, oftmals noch nicht einmal als Jugendliche anzusehen, ist an der Tagesordnung. Nujud Nasr ist also kein Einzelfall? Definitiv nicht! Aber sie ist eine der Einzigen, wenn nicht sogar die Einzige, die sich wehren – gegen den Ehemann und gegen den Druck der Familien. Doch Nujud kämpfte für ihre Selbstbestimmung und bat ihre Familie gleicht nach der Zwangsverheiratung, ihr bei der Scheidung zu helfen. Doch dazu hatten die Angehörigen keinen Mut. Somit fasste dieses bemerkenswerte Mädchen den Entschluss, allein zu handeln und ging schließlich allein zu einem Gericht und reichte die Scheidung ein. Und genau dabei kommt Richter Kathi ins Spiel, mit seinem außergewöhnlich couragierten Verhalten, denn eigentlich ist auch in Sanaa eine Scheidung erst einreichbar, wenn man volljährig ist. Und selbst dann ist die Frau nicht vor dem Ehrenmord sicher. Um Nujud davor zu schützen, nahm Mohammed Kathi Ehemann und Vater fest. Und das geschah anscheinend nicht nur aus Mitleid, sondern aus Überzeugung. Denn viele Jemeniten, auch Mohammed Kathi, üben längst Kritik am System der Zwangsehe und der Verheiratung kleiner Mädchen mit wesentlich älteren Männern, Kritik an den Bräuchen, die  auf den Bräuchen der Stammesgesellschaft beruhen und mit der veralteten Auslegung des Islams gerechtfertigt werden. Das Gesetzbuch verbietet eigentlich die Verheiratung von Jungen und Mädchen, die jünger als 15 Jahre sind, doch die Realität sieht anders aus – den Ehevertrag unterschreiben die Väter und das Brautpaar schweigt.  

Erst kürzlich hatten weibliche Aktivistinnen im Parlament beantragt, das Mindestheiratsalter für Eheschließungen auf 18 Jahre zu erhöhen. Doch die Abgeordneten lehnte die Forderung mit der Begründung ab, dass es keine rechtliche Grundlage für eine Gesetzesänderung gebe.

Doch Nujud bleibt stark, obwohl sie in Lebensgefahr schwebt. Wie die Worte von einem Kind klingen sie nicht, wenn man liest, dass Nujud der „Yemen Times“ sagte: „Ich kämpfe nicht nur für mich, sondern auch dafür, dass meine sechsjährige Schwester nicht zwangsverheiratet wird.“ Nur die Öffentlichkeit und ihr Druck kann bewirken, dass Nujuds Fall einer der letzten sein wird und Zwangsehen verboten werden, sagte Anwältin Shahta Ali.

Image Hosted by ImageShack.us <-- Nujud Nasr

Nach dem Artikel von Kristina Bergmann.

16.4.08 18:03
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


freefeeling7 / Website (17.4.08 18:55)
ja, ich fand es echt beeindruckend, dass ein so junges mädchen den mut aufbringt, gegen den ehemann, der sie unterdrückt, die eigene familie, die dort ja noch mehr zählt als hier, und die gesellschaft aufzustehen und ihr schicksal selbst zu bestimmen...
m ja leider der einzelfall, hier ging es noch mal "gut"...


Luna / Website (5.6.08 21:02)
Super. Klasse. Ich finde es großartig, dass du dich mit solch einem sozialkritischen Thema auseinander setzt! Die Geschichte hatte ich nicht mitbekommen, werd sie aber gleich, wenn du erlaubst, auf meinen Blog setzen (ansonsten hinterlass ne Nachricht im GB oder so).
Liebe Grüße,
Luna.

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